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Licht und Schatten der Energiewende

10.02.2024

Strom Photovoltaik
Photovoltaik Anlage in Absam

Immer mehr Photovoltaikmodule glänzen in der Tiroler Sonne. Auch im Versorgungsgebiet der Hall AG. Mit voller Sonnenkraft zur Energiewende, oder? Doch der Schein trügt, zumindest teilweise. Die Sonnenseiten von PV sind in aller Munde.

Doch es gibt auch Schattenseiten: Das Stromnetz ist für eine zusätzliche Einspeisung nicht ausgelegt, die Kosten für den Netzausbau sind enorm. Gleichzeitig sorgen neue gesetzliche Vorgaben sowie sinkende Einspeisetarife für Verunsicherung.

Pius Sommeregger steht unter Strom. Er verantwortet die Bereiche Netz und Erzeugung bei der Hall AG. Die Energiewende hält das Team vom Fachbereich Strom auf Trab. „Vergangenes Jahr verzeichneten wir knapp 500 Netzzutritte für Photovoltaikanlagen. Diese Dynamik hat es bisher nicht gegeben. Aktuell speisen über 1.000 PV-Anlagen ins Netz ein. Das bringt unsere Netzkapazität an ihre Grenzen“, erklärt Sommeregger.

Seit Beginn der modernen Stromversorgung wurde das Stromnetz als Bezugsnetz aufgebaut. Hier wenige große Erzeuger, dort viele kleine Verbraucher. Die Richtung war eindeutig. „Aber heute möchte jeder mit seiner PV-Anlage von überall mit beliebiger Leistung und das in einem hochdynamischen On-Off Betrieb einspeisen“, gibt der Fachbereichsleiter zu Bedenken, „und das geht zu Lastender Spannungsqualität und Versorgungssicherheit.“ Dabei gehört es für eine Netzbetreiberin wie die Hall AG zur Hauptaufgabe, die Spannungsqualität innerhalb der normativen Vorgaben zu halten. Doch das Wetter, mit ihm die Sonne und damit der Ertrag von Photovoltaik lassen sich nicht steuern. Und jede nicht geplante Einspeisung bedeutet Stress für das Bestandsnetz. „Wenn man als Netzbetreibereinen hochsommerlichen Sonntag im August übersteht, mit hoher Energieeinspeisung und gleichzeitig niedrigem Verbrauch, dann übersteht man auch das ganze Jahr“, erklärt Sommeregger. An solchen Spitzentagen speist die Hall AG aus dem lokalen Stromnetz teilweise zehn Megawatt (!) und mehr in das vorgelagerte Netz der TINETZ ein.

Die Sonnenseiten und…

„Wir investieren sehr viel in den Netzausbau. Doch mit der Geschwindigkeit, mit der zuletzt Photovoltaikanlagen in unserem Versorgungsgebiet errichtet wurden, kann das Netz nicht mitgehen“, betont Artur Egger, technischer Vorstand der Hall AG. Fachkräftemangel und Lieferengpässe bremsen die Bemühungen zusätzlich. Mit der gezielten Ausbildung von Lehrlingen steuert das regionale Versorgungsunternehmen gegen. „Ausunseren Lehrlingen werden meist langjährige Mitarbeiter. Die Lehrlinge sind unser Potential von morgen“, unterstreicht Pius Sommeregger. Doch auch das geht nicht von heute auf morgen.

Die Power-to-Heat-Anlage, die 2023 in Betrieb ging, trägt bereits zur Netzstabilität bei. Sie nimmt Strom dann aus dem Netz, wenn er im Übermaß vorhanden ist, und speichert ihn in Form von Wärme für das Fernwärmenetz. Allerdings wirkt die Anlage erst auf Netzebene vier und löst damit nicht die Herausforderung innerhalb des lokalen Versorgungsnetzes zwischen Photovoltaik am Hausdach und den Trafostationen in der Nachbarschaft.

„Unsere Kunden müssen künftig mit Einspeisebegrenzung bis hin zu 0-Einspeisungen rechnen“, erklärt Artur Egger. Sonnenstrom ist besonders dann sinnvoll, wenn er am Ort der Erzeugung verbraucht wird, bevor er ins Netz zurück gespeist wird. Hier könnten Speicherlösungen im Haushaltsformat für Entspannung in den Stromnetzen sorgen – zumindest im Sommer. Durchschnittlich 70 bis 80 Prozent ihres Stroms erzeugt eine PV-Anlage im Sommerhalbjahr. Das gilt auch für das Versorgungsgebiet der Hall AG. Hier wächst insbesondere in den sonnig gelegenen Gemeinden Absam, Mils und Volders die Anzahl an PV-Panelen auf den Dächern. „Aktuell gehen die Einspeisetarife stark zurück,“ sieht Sommeregger eine selbst regulierende Entwicklung des Marktes aufgrund des Überangebotes von Sonnenstrom.

… die Schattenseiten von Sonnenenergie

Für die Einspeisung von Sonnenstrommuss das Stromnetz massiv ausgebaut werden. Dies verschlingt sehr viel Geld. Zwar handelt es sich beim Netzbetrieb um einen regulierten Markt, doch die Kosten für den Ausbau der Netze werden letztlich auf die Verbraucher umgewälzt – Stichwort „Netztarif“. Auch für diejenigen, die selbst keine Photovoltaikanlage betreiben (können).

Im Dunkeln bleibt bei der Energiewende durch Photovoltaik häufig auch, unter welchen Umständen Solarzellen in Niedriglohnländern produziert werden. Hoher Stromverbrauch aus meist kalorischen Kraftwerken sowie zweifelhafte Arbeits- und Umweltbedingungen werfen einen Schatten auf den „sauberen“ Sonnenstrom. Wie die Panele nach ihrem Lebensende entsorgt oder recycelt werden, ist noch Gegenstand von Forschung und Entwicklung. Die heimische Wasserkraft punktet mit ihren Bestandsanlagen durch lokale Wertschöpfung. Außerdem bildet sie mit einer planbaren, sicheren und zuverlässigen Stromerzeugung die Grundlage für einen ganzjährig stabilen Netzbetrieb.

Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis das Team vom Fachbereich Strometwas „entspannen“ kann. Mit einem Mix aus Investition, Netzausbau und der Schaffung von gesetzlichen Möglichkeiten zur Netzzutrittsteuerung ist man der Engergiewende schon einen großen Schritt näher: im Versorgungsgebiet der Hall AG und in ganz Österreich.

Netzebenen

Das österreichische Stromnetz kennt sieben Ebenen. Die ersten drei davon werden Höchst- bzw. Hochspannungsebenen genannt. Auf ihnen transportiert vorwiegend die Austrian Power Grid (APG)Strom über weite Strecken zu den ländlichen und städtischen Verteilnetzen, und das bei einer Spannung von 380, 220 oder 110 Kilovolt (kV). Die hohe Spannung erlaubt einen verlustarmen Transport von Strom über große Entfernungen. Die Hall AG betreibt Netze auf den Ebenen vier bis sieben, den sogenannten Mittel- und Niederspannungsebenen. Auf Netzebene vier wird von Hoch-auf Mittelspannung „umgespannt“. Darunter passen Transformatoren die Spannung schrittweise von36 kV bzw. 25 kV auf 10 kV und schließlich auf haushaltsverträgliche 400 bzw. 230 Volt an.

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