Frischzellenkur für Kraftwerk Volders
14.06.2026
Das Kraftwerk Volders bildet das Rückgrat der Stromerzeugung der Hall AG. 60 Jahre nach seiner Inbetriebnahme stehen die umfassende Erneuerung und eine Leistungssteigerung an. Nötig macht das die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Das behördliche Genehmigungsverfahren hat bereits begonnen.
Als das Kraftwerk Volders 1966erstmals ans Netz ging, hob es die Eigenerzeugung der damaligen Stadtwerke Hall auf ein neues Niveau. Mit dem eigenen Kraftwerkspark konnte der Bedarf im eigenen Versorgungsgebiet zur Gänze gedeckt werden. 60 Jahre späterliegt die Eigenerzeugung der Hall AG je nach Wassermenge bei durchschnittlich 35 bis 37 Prozent. Zwei Drittel davon liefert das 500 Meterwestlich der Karlskirche gelegene Kraftwerk. Zwei Pelton-Turbinen arbeiten das Wasser ab, das unterhalb der Stiftsalm auf1.200 Metern Seehöhe vom Voldertalbach abgeleitet wird. Im Jahr 2000 trat die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union in Kraft. Österreich hat sie in mehreren Gesetzesnovellen in nationales Recht umgesetzt, zuletzt als „3. Nationaler Gewässerbewirtschaftungsplan“. Das Regelwerk schreibt vor, dass bis spätestens 2027 alle Oberflächenwässer einen guten ökologischen Zustand erreichen müssen. „Das ist beim Kraftwerk Volders derzeit nicht der Fall, da dort keine Restwassermenge abgegeben werden muss“, erklärt Artur Egger, technischer Vorstand der Hall AG.
Erneuerung von Grund auf
Um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen und das Kraftwerk bereit für die Energiewende zu machen, plant die Hall AG ein sogenanntes „Repowering“.„Das Kraftwerk wird dabei de facto neu gebaut, nur das Krafthaus bleibt bestehen“, so Egger. An Wasser für die Turbinen mangelt es nicht. Derzeit beträgt die Ausbauwassermenge 1.125 Liter pro Sekunde. Nach der Erneuerung können bis zu 2.000 Liter pro Sekunde abgearbeitet werden. Gleichzeitig stellt der Umbau des Einlaufbauwerks sicher, dass zu jeder Zeit die erforderliche Pflichtwassermenge vorhanden ist und so die ökologischen Vorgaben erreicht werden. Mehr Wasser bedeutet mehr Leistung. Denn am Grundprinzip der Wasserkraft hat sich im letzten Jahrhundert wenig geändert. Für zusätzliche Effizienz und Flexibilität sorgt der Neubau von wesentlichen Anlagenteilen. Ein Zwei-Kammern-System samt Filteranlagehebt den Entsander beim Wassereinlauf auf den Stand der Technik. Der Triebwasserweg und der Druckstollen werden neu errichtet. Mit seinem großen Querschnitt fungiert der Druckstollen auch als Speicherstollen. Zwei neue,
spiegelgleiche Maschinensätze ersetzen das bestehende Duo aus Turbinen und Generatoren. Derzeit liefert das Kraftwerk 6,8 Megawatt Engpassleistung. Nach dem Repowering erzeugen die beiden zweidüsigen horizontalachsigen Peltonturbinen 10 Megawatt. Die Anlagensteuerung ermöglicht den vollautomatischen Betrieb. Zahlreiche Schutzvorrichtungen greifen bei Bedarf sichernd ein. Eine neue Mittelspannungs- und Niederspannungsschaltanlage sowie zwei Blocktransformatoren runden das Großprojekt ab. Wichtig im Fall eines Blackouts: Das Kraftwerk ist schwarzstartfähig und kann im Inselbetrieb gefahren werden
Das Kraftwerk wird de facto neu gebaut, nur das Krafthaus bleibt bestehen. Artur Egger, Technischer Vorstand der Hall AG
Genehmigungsverfahren laufen
Aktuell unterziehen die Sachverständigen der zuständigen Behörden das Projekt einer eingehenden Prüfung. Es braucht Bewilligungen nach Wasserrecht, Naturschutz, Starkstromrecht und Forstrecht. „Nach der Genehmigung evaluieren wir das Projekt. Dann folgen Finanzierung und Ausschreibung“, blickt Christian Holzknecht, Vorstandsvorsitzender der Hall AG voraus. Den Finanzierungszeitraum für die Investition von 55 bis 58 Millionen Euro rechnet er auf mindestens 30 Jahre. Der Großteil der Wertschöpfung wird in der Region bleiben. Spielen die Behörden mit, könnte noch in diesem Jahr der positive Bescheid eintreffen. Dann würde2027 die Ausschreibung erfolgen und 2028 der Baubeginn. Innerhalb von zwei Jahren Bauzeit soll das Großprojekt umgesetzt werden. Mit dem „Repowering“ des Kraftwerk Volders könnte die Hall AG wieder ein neues Niveau in der Eigenerzeugung erreichen. Wie einst 1966.