Die Vermessung der Welt
13.12.2025
Es ist eine eigene Welt, um die sich die Hall AG kümmert. Sie besteht aus unzähligen Kabeln, Leitungen, Schächten und Bauwerken. Vieles davon unter der Erde. Diese Welt wächst seit über 100 Jahren. Und sie verändert sich mit jedem Bauprojekt.
Das Team der Abteilung Projektmanagement behält den Überblick über die Welt der Hall AG. Mit modernster Technik und Fachwissen ausgestattet, planen und dokumentieren die Fachkräfte jedes Stück Infrastruktur, das neu entsteht, und verwalten zugleich das Wissen der vorangegangenen Generationen. Wir haben sie einen Tag bei der Arbeit begleitet.
Bevor wir uns auf den Weg zu einer Baustelle in Mils machen, klopfen wir an die Bürotür von Roman Schmiderer. Der Techniker leitet die Abteilung Projektmanagement und Vermessung der Hall AG. Auf seinem Tisch stapeln sich Pläne. Die großen Computerbildschirme zeigen ebenfalls technische Zeichnungen. „Die Übersicht ist auf Papier viel größer, das Reinzoomen funktioniert digital besser“, grinst er. „Auch die Jüngeren drucken Pläne noch gerne aus. Bevor wir einen Plan offiziell rausgeben, kontrollieren wir ihn gerne per Hand.“ Planfreigabe und Planablagelaufen nur noch digital.Die Abteilung deckt dabei alle Aufgaben ab: von Trassenstudien und Planung, über Ausschreibung und örtliche Bauaufsicht bis hin zu Kostenkontrolle und Dokumentation. Derzeit prägt der Ausbau der Fernwärme in Absam und Mils den Arbeitsalltag. Neben den zwei Fernwärmeleitungen für Vor- und Rücklauf werden begleitend Glasfaser- und Stromnetz erneuert oder ausgebaut.
Die Leitungsaufnahme erfolgt mit GPS. Roman Schmiderer, Leiter Projektmanagement & Vermessung
Tachymeter
Mit einem Tachymeter werden Horizontalrichtungen, Vertikalwinkel und Schrägstrecken erfasst. Es ist neben GPS das wichtigste Werkzeug eines Vermessers, um Punkte auf- und einzumessen. Das Gerät – meist in gelb oder orange gehalten – erinnert mit seinem dreibeinigen Stativ an alte Fotoapparate. Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „schnelles Maß“.
GPS und Tachymetergeschichte
Roman Schmiderer stattet uns mit Sicherheitsweste und Helm aus, dann geht es zu den elektrischen Dienstwägen. Unser Ziel: Die Verlegung der Fernwärme in der Schützenstraße Mils.„Die Leitungsaufnahmeerfolgt mit GPS“, erklärt der Abteilungsleiter. Wenn in den engen Altstadtgassen oder im dichten Wald der GPS-Empfang eingeschränkt ist, kommt das klassische Tachymeter zum Einsatz (Anm.: siehe Infobox).In der offenen Straße vor uns liegt eine frisch verlegte Wasserleitung. Danebenkommen später die beiden Fernwärmeleitungen. Schmiderers Kollegen positionieren die Vermessungslanze alle paar Meterdirekt auf der Leitung. Die Positionsdaten gehen direkt per Mobilfunk in das Geografische Informationssystem (GIS).„Wir dokumentieren alle unserer Leitungen und füttern mit den Daten unser System. Jeder Fachbereich arbeitet mi einem eigenen Layer: Strom, Wasser, Fernwärme, Glasfaser usw.“, erklären die Vermesser.
Wissen aus über 100 Jahren
Seit 1994 vermisst die Hall AG ihr Leitungsnetz digital. Von den Jahrzehnten zuvor existieren zum Teil detaillierte Planzeichnungen. „Die älteste noch bestehende Infrastruktur ist das Kraftwerk Halltal aus den 1910er-Jahren. Das ist über 100 Jahre her. Wir haben auch noch von Hand gezeichnete Strompläne aus den 1930er Jahren“, weiß Roman Schmiderer. Die Bestandspläne geben detailliert Auskunft über die alten Leitungen, doch hat sich in den vergangenen Jahrzehnten bei Abständen und Kataster einiges geändert. „Wenn wir eine Baustelle anfangen, tauchen immer wieder Überraschungen auf“, berichtet der Abteilungsleiter.
Mit Ausnahme von Vermessungen, die das Grundbuch betreffen, darf die Hall AG sämtliche Vermessungsarbeiten selbst durchführen. Das Know-How im eigenen Haus hilft Kosten zu sparen. „Verlässliche GIS-Daten und gute Planung steigern die Kosteneffizienz. Es kostet viel Geld, wenn wir Baustellen ohne entsprechende Vorbereitung abwickeln müssen und unerwartet bestehende Leitungen umgelegt werden müssen“, so Roman Schmiderer. Bei der Planung regeln ÖNORMEN und Richtlinien u.a. die Lage und Abstände von unterirdischen Einbauten. Für das Leitungsnetz der Hall AG gilt ein Regelquerschnitt gemäß ÖNORM B 2533 (siehe Grafik rechts).Am Weg zurück in die Zentrale unterhalten wir uns darüber, wie die laufenden Baustellen von den Leuten aufgenommen werden. „Viele begegnen uns mit Verständnis. Auch wenn niemand gern eine Baustelle vor der Tür hat, die Infrastruktur muss erneuert und ausgebaut werden. Die Hall AG investiert viel. Das leistet einen wesentlichen Beitrag zu unserem Wohlstand“, betont der Abteilungsleiter. Um die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten, stimmt sich sein Team eng mit allen Leitungsbetreibern im gesamten Versorgungsgebiet der Hall AG ab. Was es dazu braucht: vorausschauende Planung und gute Vermessungsdaten. Beides ist selbstverständlich in der Welt der Hall AG.