Guter Plan, gutes Netz
14.06.2026
Jahrzehntelang kannte das Stromnetz der Hall AG nur eine Richtung: von wenigen Kraftwerken hin zu vielen Verbrauchern. Die Energiewende macht einen tiefgreifenden Umbau und Ausbau des Netzes nötig. Den Weg dorthin zeigt der Netzentwicklungsplan der Hall AG.
Was passiert im Stromnetz, wenn die Wolken an einem Frühsommertag aufreißen, ein Industriebetrieb eine Sonderschicht einlegt und die Elektroautos aus ihren Garagen düsen? Szenarien wie dieses simuliert die Hall AG mittels einer ausgeklügelten Software. Sie liefert die Grundlage für den Netzentwicklungsplan. Das Netzmodell der Software bildet das reale Stromnetz im Versorgungsge biet der Hall AG ab. „Der Vermessungsgrad unseres Netzes liegt bei 95 Prozent. Wir kennen den IST-Stand und simulieren verschiedene Ausbaustufen, um zu sehen, was bei Veränderungen passiert“, erklärt Pius Sommeregger. Der Fachbereichsleiter Strom verantwortet u.a. das Stromnetz. Als 2021 der Photovoltaik Boom voll einsetzte, begannen er und sein Team mit der Arbeit am Netzentwicklungsplan. Auch der Gesetzgeber verpflichtet mittlerweile die Netzbetreiber dazu, den Plan zu erstellen und regelmäßig zu evaluieren.
„Unser Planungshorizont reicht bis ins Jahr 2040. Die prognostizierten Entwicklungen dienen uns als Orientierung. Daraus leiten wir den Investitionsbedarf ab“, erklärt Artur Egger, technischer Vorstand der Hall AG. Sein Kollege, Vorstandsvorsitzender Christian Holzknecht, rechnet in den kommenden zwei Jahrzehnten mit Kosten von ungefähr 30 Millionen Euro für Leitungen, Trafostationen und Umspannwerke. „Wir investieren jährlich in den Netzausbau – angepasst an die Nachfrage. In Summe geht es langfristig um viel Geld“, so Holzknecht.
Photovoltaik und Elektromobilität stellen das Team der Hall AG vor große Herausforderungen. Die unsichere Erzeugung und die hohen Schwankungen von Sonnenstrom bringen die Netze schon jetzt an ihre Grenzen. Schließlich müssen sich Erzeugung und Verbrauch im Stromnetz stets decken. Die Elektromobilität lässt den Strombedarf steigen, ist jedoch ebenfalls äußerst dezentral und schwer planbar. Der Netzentwicklungsplan versucht die Zukunft bereits jetzt abzubilden. Er kombiniert das Netzmodell mit statistischen Daten des Großraums Hall, wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesetzlichen Grundlagen. „Ausgangspunkt bleibt unser bestehendes Netz. Mit dem Netzentwicklungsplan versuchen wir vorausschauend Problemstellungen zu erkennen und Lösungen dafür zu finden“, beschreibt Pius Sommeregger. Mit der schrittweisen Umsetzung und Anpassung ihres Plans rüstet sich die Hall AG für eine Zukunft voller Photovoltaik, Elektromobilität und leistungsfähiger Stromnetze.
WIR KENNEN DEN IST-STAND UND SIMULIEREN VERSCHIEDENE AUSBAU STUFEN, UM ZU SEHEN, WAS BEI VERÄNDERUNGEN PASSIERT.“ Pius Sommeregger, Fachbereichsleiter Strom