Die Kraft der Familie
14.06.2026
Die Wasserkraftwerke der Hall AG können ihre Herkunft nicht verleugnen. Auch wenn jedes seine Eigenheiten hat, stammen sie doch alle aus derselben Familie. Alle haben die Kraft des Wassers im Blut.
Wie eine Familie sind sie über die Jahrzehnte gewachsen, haben sich entwickelt und an unterschiedlichen Orten in der Region Wurzeln geschlagen. Wir nehmen Sie mit auf einen Familienbesuch bei den Wasserkraftwerken der Hall AG.
Es gebietet der Respekt, dass wir unseren Besuch beim ältesten Kraftwerk beginnen. Stolz ruht es über der Walderstraße im äußersten Norden des Absamer Ortsgebiets. 1911 legte die Stadt Hall den Grundstein für das Kraftwerk Halltal. Nach zwei Jahren Bauzeit lieferten die vier Maschinensätze den ersten Strom in Richtung Stadt. Der klassische Torbogen am Eingang, die Kuppeldecke über der Maschinenhalle und die hohen Industriesprossenfenster verraten voller Stolz: Das ist das Oberhaupt der Kraftwerksfamilie.
Bei unserer Visite hört man die Vöglein von außen in die Halle reinzwitschern. Die Peltonturbine steht für die jährliche Revision still. Das Wasser macht einen Bogenrund um die Wasserfassung im Bereich Bettelwurfeck. Von dort führt die Druckleitung teils oberirdisch, teils unterirdisch ins Krafthaus. 1955 ersetzte eine Maschine die ursprünglichen vier. Einer der großen, schwarzen Generatoren erinnert an das ereignisreiche Leben der Anlage.
Über die Jahrzehnte wurde das Kraftwerk automatisiert, erneuert und die Leistung gesteigert. Seine zwölfeinhalb Millionen Kilowattstunden versorgen heute rund 4.000 Haushalte mit Strom.
LEISTUNGSTRÄGER DER ZWEITEN GENERATION
Als nächstes führt uns unser Besuch zur zweiten Generation der Energiefamilie: dem Kraftwerk Volders.
In nur zwei Jahren Bauzeit wuchs die Anlage 1965/66 zum vollwertigen Familienmitglied heran. Stolze 33,5 Millionen Kilowattstunden jährlich speist es seit sechs Jahrzehnten verlässlich ins Netz. Es wollte höher hinaus als sein Vorfahre vom Halltal. Das Wasser stammt von der auf 1.200 Metern Höhe gelegenen Stiftsalm im Voldertal. In Windegg kann das Wasser im unterirdischen Tagesspeicher eine Pause einlegen, bevor es mit Hochdruck in Richtung der beiden Peltonturbinen saust.
Das Krafthaus duckt sich einen Steinwurf vom Inn entfernt an den kleinen Wald, der von der Volderer Karlskirche einige hundert Meter nach Westen reicht. Bis in die 1990er-Jahre war seine Kraftwerkswarte rund um die Uhr besetzt. Der Wart verbrachte die Nacht im „Ledigenzimmer“. Heute schaut ein Mitarbeiter zweimal pro Woche nach dem Rechten und wartet die Anlage. Ansonsten besticht das Kraftwerk Volders, genau wie das Kraftwerk Halltal, mit seiner störungsfreien und ruhigen Art. Nach mehreren Umbauten und Sanierungen ist es mit seinen 60 Jahren bereit für eine echte Frischzellenkur.
DIE DRITTE GENERATION DER KRAFTWERKSFAMILIE HAT SICH AUF DIE ENERGIE ERZEUGUNG MIT TRINK WASSER SPEZIALISIERT.
DIE KRAFT DES TRINKWASSERS
Die dritte Generation der Kraftwerksfamilie hat sich auf die Energieerzeugung mit Trinkwasser spezialisiert. Vier Anlagen säumen das Trinkwassersystem im Norden von Absam. Zwei davon verbergen sich hinter dem Eingang zum Trinkwasserstollen auf Höhe des Bettelwurfecks im Halltal. Ab 1995 trieben Ingenieure und Bergleute einen 950 Meter langen Stollen tief in den Bettelwurf. Knapp bevor das Wasser aus dem Berg zu Tage tritt, haben sich links und rechts eine Francis- und eine Peltonturbine niedergelassen. Seit 2001 arbeitet Erstere das Trinkwasser des Stollens ab und produziert damit jährlich 390.000 Kilowattstunden Strom. 2002 folgte das Kraftwerk Jakobibründl mit weiteren 150.000 Kilowattstunden Erzeugung. Nach getaner Arbeit darf sich das Trinkwasser im Hochbehälter ausruhen, bevor es sich weiter auf den Weg Richtung Süden macht.
Direkt unterhalb des altehrwürdigen Kraftwerks Halltal hat sich 2006 das Kraftwerk Walderstraße niedergelassen. Es nutzt das Trinkwasser, das vom Stollen zu ihm geleitet wird. Die Peltonturbine verwandelt die Energie des Trinkwassers in 1,6 Millionen Kilowattstunden jährlich. In seinem Krafthaus hat es vorausschauend Platz geschaffen, sollte ein weiteres Familienmitglied folgen. Der darunterliegende Trinkwasserhochbehälter trägt das Baujahr 1950 und wurde 2010 generalsaniert. Den Abschluss unseres Besuchs bildet der Halltalerhof. Sein Name verweist auf die gut geführte Gaststätte, die einst hier stand. Trinkwasser speichert die Stadt seit über 100 Jahren an diesem Standort. Strom erzeugt daraus das 1976 errichtete
Kraftwerk. Die 2007 revitalisierte Anlage fühlt sich inmitten des 2019 neu gebauten Hochbehälters so richtig zuhause und dankt es mit 300.000 Kilowattstunden jährlich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hall AG pflegen ihre Kraftwerke mit Erfahrung, Einsatz und Einfühlungsvermögen. Die Kraftwerksfamilie dankt es ihnen mit einem harmonischen und störungsarmen Betrieb.
PRINZIP WASSERKRAFT An der Funktionsweise der Stromerzeugung aus Wasserkraft hat sich seit über 100 Jahren nichts geändert. Wasser treibt ein Schaufelrad (zeitgemäß: Turbine) an, das über einen Generator Strom erzeugt. Dabei macht es keinen großen Unterschied, ob das Wasser aus einem Gebirgsbach, einer Trinkwasserquelle oder einem Fließgewässer stammt. Das Team der Hall AG verfügt über ein ganzes Jahrhundert an Erfahrung mit Wasserkraft. In die Errichtung und Sanierung der Anlagen fließt viel Eigenleistung. Die Wartung verlangt u.a. regelmäßig Schmierstands- und Temperaturkontrollen.